Gynäkologie und Gestütsbetreuung

Zuchttauglichkeit der Stute
Die Zuchttauglichkeits-Untersuchung dient zur Feststellung der Geschlechtsgesundheit der Stute und kann Aufschluss darüber geben, ob die Stute nach erfolgreicher Besamung auch in der Lage ist, das Fohlen auszutragen. Sie sollte üblicherweise am Anfang der Zuchtsaison erfolgen.

Die spezielle gynäkologische Untersuchung umfasst die Betrachtung des äußeren Genitale und die Befunderhebung an den inneren Geschlechtsorganen mithilfe rektaler Palpation und Ultraschall. Außerdem sollten Scheide und Muttermund mithilfe eines Spekulums begutachtet werden.

Eine bakteriologische Untersuchung mittels Tupferproben-Entnahme am Muttermund, zytologische Untersuchungen mittels Cytobrush-Entnahme am Muttermund oder von der Gebärmutter-Schleimhaut, eine Beurteilung der Gebärmutter-Schleimhaut nach Biopsie-Entnahme sowie hormonanalytische Blutuntersuchungen geben Aufschluss über die Zuchttauglichkeit der Stute.

Zyklusdiagnostik
Eine genaue Zyklusdiagnostik ist notwendig, um den optimalen Deck- oder Besamungszeitpunkt der Stute zu bestimmen und damit gute Trächtigkeitsraten zu erzielen. Es werden hierfür regelmäßig transrektale Follikelkontrollen manuell oder mittels moderner Ultraschalltechnik durchgeführt.

Endoskopie der Gebärmutter und Endoskopische Entfernung von Uterinzysten
Die Endoskopie der Gebärmutter (Hysteroskopie) ist eine weiterführende Untersuchung im Rahmen der gynäkologischen Untersuchung.

Der Innenraum der Gebärmutter wird mit einem flexiblen Endoskop, welches durch den Muttermund eingeführt wird, betrachtet. Die Stute wird zur Untersuchung in einem Zwangsstand fixiert und leicht sediert.

Durch die Zufuhr von Luft wird der Innenraum der Gebärmutter gedehnt, was die Betrachtung der Schleimhaut und des Innenraums möglich macht. Es können Menge und Art von Sekret, Uteruszysten, Uterustumoren, Verwachsungen, Schleimhautspangen oder Fremdkörper lokalisiert werden. Durch den Arbeitskanal des Endoskops können Proben entnommen oder Instrumente eingeführt werden.

Zysten
Uteruszysten treten häufig bei älteren Stuten ab 15 Jahren auf und entstehen durch eine Degeneration der Gebärmutterschleimhaut. Sie können die Trächtigkeit der Stute verhindern. Uteruszysten lassen sich sehr gut mit Hilfe einer transrektalen Ultraschalluntersuchung der Gebärmutter darstellen.

Die Entfernung der Zysten erfolgt endoskopisch mithilfe minimalinvasiver chirurgischer Techniken. Das Endoskop wird durch den Muttermund in die Gebärmutter eingeführt und diese mit Luft gefüllt. Eine Schlinge, die über den Arbeitskanal des Endoskops in die Gebärmutter gelangt, wird über die Basis der Zyste gelegt und mithilfe von Elektrokoagulation entfernt.

Anschließend erfolgt eine Spülung der Gebärmutter mit einer Kochsalzlösung, um die Zystenhülle und den dickflüssigen Zysteninhalt zu entfernen. Da die Rezidivrate sehr hoch ist, sollte die Entfernung der Zyste zu Beginn der Zuchtsaison erfolgen und die Stute baldmöglichst belegt werden.

Besamung mit Frisch- und Tiefgefriersperma
Die künstliche Besamung hat sich in der Pferdezucht fest etabliert. Es wird Frisch- oder Tiefgefriersperma verwendet.

Frischsperma wird direkt nach der Samenentnahme im Labor untersucht und mit einem Verdünnermedium versetzt, so dass es 36-48 Stunden bei Kühlschranktemperatur gelagert werden kann. Der Frischsamen kann direkt am Tag der Entnahme versandt oder aber auch über Nacht verschickt werden. Die Stute wird am darauffolgenden Tag belegt.

Tiefgefriersperma lagert bei -196°C in flüssigem Stickstoff. Für unsere Kunden lagern wir das Sperma gern bei uns im Praxiscontainer ein.

Für die Besamung mit Tiefgefriersperma ist ein intensives Untersuchungs-Management erforderlich, da aufgetaute Spermien weniger überlebensfähig und vital sind. Die Stute sollte möglichst zeitnah zum Eisprung besamt werden. Zusätzlich wird eine tief intracorniale Besamung vorgenommen, wobei die Spermien direkt an der Mündung des Eileiters abgesetzt werden.

Embryotransfer
Der Embryotransfer ermöglicht eine parallele Sport-und Zuchtnutzung, mehrere Nachkommen wertvoller Stuten pro Zuchtjahr oder der Zuchteinsatz von Stuten mit genitalen Erkrankungen.

Unsere Praxis ist eine nationale Embryotransfer-Station, d. h. Embryonen werden auf eine zyklussynchrone Stute aus dem Bestand des Züchters übertragen. Alternativ besteht die Möglichkeit, den Embryo auf eine fremde „Pachtstute“ zu übertragen. Wir arbeiten eng mit anderen Emryotransfer-Praxen zusammen und sind bemüht, bei der Suche einer Empfängerstute behilflich zu sein.

Die Embryonen-Gewinnung findet in unserem praxiseigenen Behandlungsraum am 7. bis 8. Tag nach dem Eisprung statt und der Embryo wird dort auf die zyklus-synchrone Empfängerstute übertragen.

Zwillingsmanagement mit Farbdopplersonographie
Zwillingsträchtigkeiten sind in der Pferdezucht äußerst unerwünscht, da die Gebärmutter der Stute nicht in der Lage ist, zwei Fohlen ausreichend zu versorgen und auszutragen. Meist führt eine Zwillingsträchtigkeit zu einem Abort oder einer Frühgeburt von nicht lebensfähigen Fohlen. Deshalb sollte eine Reduktion der Zwillingsträchtigkeit möglichst früh erfolgen. Je früher die Maßnahme ergriffen wird, umso kleiner ist das Risiko für die verbleibende Fruchtanlage. Eine manuelle Kompression wird zwischen Tag 14 und 16 der Trächtigkeit durchgeführt. Sollte dies nicht erfolgt sein, wird eine erneute Ultraschalluntersuchung zwischen dem 30. bis 35. Trächtigkeitstag gemacht. Mittels Farbdoppler-Sonographie kann die Herzaktion der Embryonen dargestellt werden. Sind noch zwei lebende Früchte vorhanden, kann eine ultraschall-geleitete Punktion und Aspiration einer Fruchtanlage in der Klinik erfolgen.

Geburtshilfe
Geburtsstörungen bei der Stute sind stets Notfälle und erfordern ein sofortiges Handeln. Stuten, bei denen der Geburtsbeginn in den nächsten Tagen erwartet wird, müssen sorgfältig überwacht werden.

Ursache von Schwergeburten sind vor allem Haltungs-, Stellungs- und Lageanomalien, die durch den Tierarzt korrigiert werden müssen.

Diagnose und Therapie von Subfertilität von Hengst und Stute
Unfruchtbarkeit bei Hengsten und Stuten kann verschiedene Ursachen haben. Durch eine eingehende klinisch-andrologische oder klinisch-gynäkologische Untersuchung kann häufig eine erste Diagnose gestellt werden. Zur weiterführenden Diagnostik stehen moderne Geräte zur Verfügung und wir arbeiten eng mit renommierten Laboren zusammen. Nach gestellter Diagnose wird ein individueller Therapieplan erstellt.

Scheidenplastik
Durch einen mangelhaften Schamschluss gelangt Luft in die Scheide. Dies kann zu Infektionen und Entzündungen der Gebärmutter bis hin zur Resorption des Embryos oder zum Abort führen. Prädisponierende Faktoren für einen mangelhaften Schamschluss können fortgeschrittenes Alter, schlechte körperliche Kondition, dünne oder weiche Schamlippen, das Einsinken des Anus sowie Geburtsverletzungen sein. Hier ist eine chirurgische Korrektur des Schamschlusses (Scheidenplastik) erforderlich. Bei der sogenannten Caslick Operation wird der Schamlippenspalt von oben an verkürzt. Eine zusätzliche Raffung des Scheidendaches wird bei der Scheidenplastik nach Götze vorgenommen. Beide Operationen werden an der stehenden Stute mit einer lokalen Betäubung im Stall durchgeführt. Unruhige Stuten werden ggf. leicht sediert.
 
Eutererkrankungen
Eutererkrankungen beim Pferd kommen seltener vor als beim Rind.
Es können Störungen der Euteranbildung und Milchbildung vor und nach der Geburt, Entzündungen des Euters (Mastitis) oder Zubildungen am Euter auftreten.
Eine ungenügende Milchbildung der Stute führt beim neugeborenen Fohlen zur Unterversorgung mit lebenswichtigen Antikörpern. Es sollte eine regelmäßige Stimulation des Euters durch das Fohlen oder mit der Hand erfolgen. Zusätzlich können Medikamente verarbreicht werden.

Akute Euterentzündungen treten häufig nach dem Absetzen des Fohlens auf, können allerdings auch  bei Stuten ohne Fohlen vorkommen. Es muss eine antibiotische und entzündungshemmende Therapie vorgenommen werden. Lokal können abschwellende und kühlende Maßnahmen erfolgen.
 


Gestütsbetreuung
Wir betreuen Vollblut- und Warmblutgestüte. Zur Gestütsbetreuung gehören das Erfassen und Dokumentieren des Zyklusstandes jeder Stute. Zu Beginn der Zuchtsaison werden Tupferproben aus der Gebärmutter entnommen und in unserem hauseigenen Labor untersucht. Erforderliche Behandlungen werden durchgeführt.

Es wird ebenfalls die Fruchtbarkeit der Deckhengste kontrolliert und erforderliche Tupferproben, die Voraussetzung für den Deckeinsatz sind, genommen. Ein regelmäßiges Impf- und Entwurmungsschema wird in Absprache mit der Gestütsleitung durchgeführt. Außerdem werden Geburtsvorgänge betreut und die neugeborenen Fohlen erstversorgt.